Basel, 2. Juni 2008
MEDIENMITTEILUNG

Sympathie für Milchstreik

Der Schweizer Tierschutz STS hegt Sympathie für den Milchstreik von Schweizer Bauern und hat Verständnis für deren Forderung nach einem fairen Milchpreis. Im Vergleich zu den 90er Jahren müssen Bauern mittlerweile 30% tiefere Milchpreise hinnehmen. Vom Konsumentenfranken für einen Liter Milch bleibt ihnen heute weniger als die Hälfte. Der STS befürchtet, dass eine fortdauernde, ungenügende Abgeltung der Milchbauern die Kühe als schwächstes und letztes Glied der Kette am stärksten treffen könnte, indem immer weniger Zeit für Pflege und Betreuung der Tiere aufgewendet würde.

Nach Meinung des STS soll die Milch als eines der natürlichsten und gesündesten Produkte ihren Preis haben. Dabei geht es nicht darum, den gesunden Wettbewerb am Markt eliminieren zu wollen, der durchaus auch positive tierschützerische Konsequen-zen hat, indem aus arbeits- und betriebswirtschaftlichen Gründen die Kühe vermehrt wieder geweidet und in kostengünstigen Freilaufställen gehalten werden. Wichtig ist aber, dass die Milchbauern einen fairen Preis erhalten, der ihre Arbeit korrekt abgilt und sie in Stand setzt, hohe Qualität für die Konsumenten zu produzieren. Sämtliche Wirtschaftlichkeits-berechnungen zeigen, dass dies beim aktuellen Milchpreis von 70 Rappen/Liter Milch nicht der Fall ist.

Preisdrückerei auf dem Buckel der Bauern wird nach Meinung des STS Tierwohl und Tiergesundheit in der Milchproduktion weiter verschlechtern. Die Strategie der ein-seitigen Hochleistungszucht ist schon heute mitverantwortlich für ein hohes Mass an Stoff-wechsel- und Fruchtbarkeitsstörungen sowie Euterentzündungen. Die Lebens-dauer der Kühe nimmt ab, ebenso die Betreuungsintensität und Pflege durch den Tierhalter.

Den Hauptgrund für diese für Mensch und Tier höchst ungute Entwicklung ortet der STS in der Tatsache, dass Grossmolkereien und Handel die Milch primär über den Preis statt über die Qualität vermarkten. Es gilt dort primär die Devise, die Milch immer billiger pro-duzieren zu lassen, statt auf hohe Qualität zu setzen und diese im Laden entsprechend auszuloben. Jeder Liter Mineralwasser mit etwas Zucker und Aroma versetzt, löst im Laden höhere Preise als ein Liter Milch!